Elternratgeber

„Oh nein, ich bin ja ein Vorbild“

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Liebe Eltern,

Kennen Sie es auch, diese Situation, wenn Sie auf dem großen Supermarktparkpatz eine Parklücke suchen, Ihre Kinder auf dem Rücksitz quengeln, sie selber schon ein wenig genervt sind, und dann endlich eine Parklücke finden, jemand anderes Ihnen aber die Vorfahrt und damit auch den Parkplatz nimmt?

Da ist es dann auch schon gesagt (verzeihen Sie die Ausdrucksweise): Scheiße, so ein Blödmann!

Plötzlich wird es still auf den Rücksitzen, vielleicht hören Sie ein leises Kichern. Herzlichen Glückwunsch, Sie haben soeben unbewusst den Wortschatz Ihres Kindes erweitert. Aber keine Sorge, vor diesen Worten werden Sie Ihr Kind sowieso nicht bewahren, und früher und später wird es mit in den Wortschatz Ihres Kindes aufgenommen.

Kinder nehmen alles auf

Kinder sind wie kleine Schwämme. Sie saugen alles auf was sie hören und sehen. Informationen, Verhaltensweisen, und vieles mehr. In für uns gerade den unpassendsten Situationen werden genau diese neu erlernten Wörter reproduziert. Ob sie nun passend oder unpassend in dieser Situation sind.

Helfen tut tatsächlich nur eines. Augen auf bei der Wortwahl. Dies gilt für uns ErzieherInnen, als auch für Sie als Eltern. Wir gemeinsam fungieren als wichtiges Vorbild für Ihre Kinder.

Was ist ein Vorbild?

Die Kinder beobachten uns und lernen Ihre ersten Werte und Regeln von Ihnen als Eltern und uns als ErzieherInnen kennen. Wir, aber auch Sie als Eltern, schenken Ihren Kinder Orientierung und Geborgenheit. Ihre Kinder suchen Anleitungen und Hilfestellungen, um Ihre ersten Schritte im Leben gehen zu können. Von uns lernen Sie erste Werte kennen, erleben Selbstständigkeit und Zugehörigkeit. Wichtig zu wissen, die eigenen Wertevorstellungen entwickeln Ihre Kinder nicht durch gesagte Worte, sondern durch das Erleben. Die Erfahrungen in den ersten Lebensjahren bildet das wichtige Fundament, auf dem später weiter aufgebaut werden kann.

Hängen wir beispielsweise dauerhaft vor dem Handy, nehmen selten ein Buch zur Hand, essen kurz im Stehen unser Brot, oder sagen wir nicht guten Morgen/ Tag beim Betreten einer Räumlichkeit, werden die Kinder dies als Normales Verhalten erleben und womöglich selber übernehmen.

Hierzu jedoch ein kurzes Beispiel. Neulich betrat eine Mutter mit Ihrem Kind unsere Gruppe und sagte „guten Morgen“. Das Kind selber lächelte, sagte jedoch nichts. Der Mutter war es jedoch sehr wichtig, dass das Kind „guten Morgen“ sagte. Das Kind jedoch hat auf seine Art und Weise „guten Morgen“ gesagt und ging dem Wunsch seiner Mutter nicht nach.

Wichtig in dieser Situation ist jedoch, dass die Mutter uns begrüßte. Das Kind nimmt dies bewusst war, und wird, fühlt es sich dazu bereit – immerhin muss dazu laut gesprochen werden, die Aufmerksamkeit zieht sich auf das Kind – irgendwann „guten Morgen“ sagen. Viel wichtiger ist doch, dass das Kind auf seine Weise kommuniziert hat!

Zeit und Geduld, um Werte zu verinnerlichen

Seien Sie also geduldig, Ihr Kind braucht Zeit, um Werte und Verhaltensweisen zu verinnerlichen.

Was macht ein gutes Vorbild aus?

Wichtig jedoch ist, authentisch zu sein. Ich kann keine Werte vermitteln, die ich selber nicht lebe. Ich kann nichts weitergeben, was ich selber nicht für richtig und wichtig empfinde. Wir sollten uns bewusst sein, welche Werte wir Ihren und unseren Kindern vermitteln möchten. Respekt, Empathie, Ehrlichkeit und Freundlichkeit. Für mich unfassbar wichtige Werte.

Nicht zu vergessen jedoch. Auch Vorbilder haben Ihre Momente, in denen Sie als Vorbild, ich sage es mal vorsichtig, versagen. Wir erinnern uns an die geschilderte Situation zu Beginn im Auto.  Aber genau das ist es, was es so wichtig macht. Denn auch Vorbilder haben Schwächen und Schwierigkeiten, wirken dadurch noch viel nahbarer und authentischer. Kinder übernehmen nicht sofort jedes Verhalten und jede Einstellung. Sie können so auch von unseren Fehlern lernen.

Selbstreflexion

Wichtig jedoch ist es, sich stets selber zu reflektieren und zu überprüfen, ob das eigene Verhalten den Werten entspricht, dem wir dem Kind mitgeben möchten.

Lassen Sie uns Vorbilder für unsere und Ihre Kinder sein und uns nicht so oft mit anderen Eltern vergleichen. Jeder hat seine eigenen Werte und Eigenschaften, die er in sich trägt und bewusst, sowie unbewusst weitergibt.

Herzliche Grüße,
Juliane Suhr

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