Liebe Eltern,
wie schnell die Zeit bloß vergeht! Schon wieder ist ein Jahr vorbei, und für alle Kinder steht auf eine Art und Weise eine Veränderung an.
Der Sommer hat sein ganzes Können unter Beweis gestellt und dem einen oder anderen war es dann schon fast wieder zu warm.
Es ist auch die Zeit, an der sich immer mehr an der frischen Luft bewegt wird, und wo die Wege wieder häufiger zu Fuß oder mit dem Rad erledigt werden.
Ein ganz wichtiger Aspekt für Ihre Kinder, der jedoch nicht nur in den schönen Monaten berücksichtigt werden sollte.
Der Weg zur Kita als Lernraum
Kinder sollten nämlich, sobald sie laufen können, möglichst viele Wege selbst zu Fuß zurücklegen – natürlich altersgerecht begleitet und gestaltet. Der Weg zur Kita, zum Spielplatz oder zum Bäcker ist weit mehr als eine Strecke, die zurückgelegt werden muss. Er ist ein wichtiger Lernraum, in dem Ihre Kinder täglich neue Erfahrungen sammeln.
Beim eigenen Laufen entwickelt Ihr Kind seine Motorik, Koordination, Balance und Kondition. Es lernt, Bordsteine zu überwinden, Pfützen auszuweichen, auf unebenem Untergrund sicher zu gehen und sein Gleichgewicht an unterschiedliche Situationen anzupassen.
Gleichzeitig stärkt die Bewegung die Muskulatur und unterstützt eine gesunde körperliche Entwicklung.
Zudem kommen die Erfahrungen, welche Ihre Kinder im Straßenverkehr unabdingbar lernen müssen.
Wahrnehmung der Umgebung
Nur wenn sie selber laufen, nehmen sie ihre Umgebung viel bewusster wahr, als wenn sie ausschließlich im Kinderwagen sitzen oder getragen werden. Sie lernen, am Bordstein anzuhalten, auf Ampeln zu achten, Fahrzeuge zu beobachten und erste Verkehrsregeln zu verstehen. Dabei entwickeln sie Schritt für Schritt ein Gefühl für Entfernungen, Geschwindigkeiten und mögliche Gefahren.
Auch die Wahrnehmung wird hierbei geschult. Kinder hören unterschiedliche Verkehrsgeräusche, lernen das Elektroautos unglaublich leise sind, erkennen Straßenschilder, beobachten andere Verkehrsteilnehmende und lernen, ihre Aufmerksamkeit gezielt auf wichtige Situationen zu richten. Diese Fähigkeiten sind eine wichtige Grundlage für die spätere Teilnahme am Straßenverkehr.
Darüber hinaus fördert das eigene Laufen das Selbstvertrauen. Kinder erleben, dass sie Wege aus eigener Kraft bewältigen können.
Anstrengungsbereitschaft entwickelt sich. Sie treffen kleine Entscheidungen, übernehmen Verantwortung und entwickeln ein Gefühl von Selbstständigkeit. Lob und Ermutigung stärken dabei ihr Vertrauen und die eigenen Fähigkeiten.
Eigenverantwortlichkeit im Straßenverkehr
Wir im Kindergarten versuchen häufiger mit den Kindern in der Umgebung unterwegs zu sein, um mit Ihnen gemeinsam den Straßenverkehr zu entdecken und Erfahrungen zu sammeln. Ob es bei den Gartenbesuchen ist, beim Einkaufen, den Waldtagen, den größeren Ausflügen in den Zoo oder in das Ballorig. Bei uns in der Gruppe muss jedes Kind, egal ob es 3 oder 6 Jahre ist, selbstständig vor jeder Straßenüberquerung für sich nach anderen Verkehrsteilnehmern schauen und entscheiden, ob die Überquerung sicher ist. Natürlich unterstützen wir jedes Kind dabei, und erklären mit viel Ruhe und Geduld wie man sich im Straßenverkehr verhält. Jedes Kind ist für sich verantwortlich. Mit der Zeit werden die Kinder immer sicherer und kennen immer mehr Verkehrsschilder und Verkehrsregeln.
Natürlich darf auch die Fahrt mit dem Bus oder der Bahn nicht fehlen. Viele Kinder sind noch nie Bus oder Bahn gefahren, und wissen nicht, wie man sich dort richtig verhält. Wo steige ich ein, warum sollte ich mich im Bus möglichst hinsetzen, warum kann ich mich dort nicht anschnallen, warum gibt es Sitze mit besonderen Zeichen, wo kaufe ich die Fahrkarte, in welche Richtung fährt der Bus und welchen Bus muss ich nehmen, um an mein Ziel zu kommen.
Sie sehen, es sind unglaublich viele Dinge, die Ihr Kind im Straßenverkehr erlernen muss.
Zeit und Geduld
Sie können Ihr Kind dabei unterstützen, indem sie ausreichend Zeit einplanen, Geduld mitbringen und den Weg gemeinsam entdecken. Jeder selbst gelaufene Meter stärkt nicht nur den Körper, sondern auch das Selbstvertrauen und die Fähigkeit, sich sicher und aufmerksam im Straßenverkehr zu bewegen.
Sicher Ankommen und Aussteigen
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, der uns noch, bevor ich Sie in die wohlverdienten Sommerferien verabschieden möchte, beschäftigt, ist das Aussteigen Ihrer Kinder auf der Fahrbahnseite. Aufgrund unserer schwierigen Parkplatz Situation – noch ein Grund mehr, öfter zu Fuß oder mit dem Rad zu kommen – erleben wir häufig, wie einige Eltern an der Seite am Fahrbahnrand halten und Ihre Kinder an der Fahrbahnseite aussteigen lassen. Häufig wird nur die Tür geöffnet und die Kinder steigen selbstständig aus. Dies ist mit einer der gefährlichsten Momente. Andere Autos oder Radfahrer kommen, sind selber einen Moment unachtsam, auch das Kind ist meist noch nicht in der Lage die Situation komplett überblicken zu können, und Beide Parteien übersehen sich. Das Ausmaß dieser Katastrophe möchte ich nicht weiter ausführen müssen. Ich möchte Sie nur darum bitten, Ihr Kind immer, wenn es möglich ist, auf der Gehwegseite einsteigen zu lassen und Ihr Kind niemals unbeaufsichtigt die Straße überqueren zu lassen. Zudem hat ein Kind auf dem Schoß von einem Beifahrer oder sogar dem Fahrer nichts zu suchen!
Ich wünsche Ihnen nun wunderschöne Ferien, mit vielen tollen Ausflügen, dem Sammeln von vielen neuen Erfahrungen im Straßenverkehr und vielen Sonnenstunden.
